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Stationen, die das Buch beförderten

( Lesezeit ca.7 Min.)

 

Da ich in keinem religiösen Elternhaus aufwuchs, gab es auch keine gläubige Vereinnahmung. Der Alltag wurde von den konkreten Problemen bestimmt und, wenn möglich, geklärt. Es wurde von höherer Stelle oder durch einen Kirchenbesuch keine positive Einflussnahme erwartet. 

Ungläubig oder gar atheistisch waren meine Eltern und Großeltern zu meiner Kinder- und Jugendzeit aber trotzdem nicht. Wenn man es als Volksglauben bezeichnen würde, träfe das wohl am ehesten zu: Gerade, wenn es um verstorbene Verwandte ging, war der Himmel als Aufenthaltsort üblich. Diese Anschauung äußerte sich z.B. darin, dass verstorbene Familienmitglieder das weiterlaufende Leben auf der Erde „von oben“ verfolgen und miterleben könnten. Wer würde denn auch unbedingt einem Kind etwas anders über dieses unauflösbare Problem sagen wollen? Es befriedet ja auch die eigene Betroffenheit zu diesem Thema.

Nach meiner Geburt war ich evangelisch getauft worden und nahm deshalb mit Beginn der Schulzeit am entsprechenden Religionsunterricht teil.

Jedoch vermochten die Bemühungen der Religionslehrerin und die durchaus auch interessant vermittelten Geschichten aus der Bibel nichts an meiner gefühlten Ungläubigkeit zu ändern. Ich empfand die Texte nur als Geschichten, wie es auch Geschichten in anderen Büchern gibt. Die Exklusivität, die sie auszeichnen sollte, da sie von Gott initiiert worden waren,  wurde mir nicht einsichtig. Auch meine damals durchgeführten Experimente mit dem Beten, brachten mir keine neuen emotionalen oder verstandesmäßigen Erkenntnisse. Ich blieb mit jeder Faser meines Körpers und meinen innersten Empfindungen im Diesseits verhaftet.

So war der Austritt aus dem Religionsunterricht mit Erreichen meiner Religionsmündigkeit, also mit 14 Jahren, eine naheliegende Entscheidung. Es war im Nachhinein ein erster bewusster Schritt, um meine Empfindungen zu diesem Thema mit meinem Handeln in Einklang zu bringen.

Zu dieser Klarheit kam es auch durch meine Konfirmation, bzw. durch den davor liegenden Unterricht. Diese Glaubensbestätigung der Taufe war nur ein Lippenbekenntnis, so, wie es für fast alle im Konfirmationsunterricht eines war und wie ich manchmal von Schüler erfahre, wohl auch heute noch ist.. Die meisten wollten die große Feier zu ihrer Einsegnung erleben und das erste große Geld einnehmen, mit dem dann ein größerer Wunsch erfüllt werden konnte. Bei mir war es übrigens ein Filmprojektor (Ein vielleicht etwas ausgefallener Wunsch für einen Jugendlichen.).  Dafür ertrug man den wöchentlichen und ungefähr ein Jahr dauernden Unterricht. Auch wenn es sich erst einmal abwertend oder abschätzig anhören mag, aber es gab schon Themen, die ich interessant und anregend fand.  Wenn es z.B. um die Bewertung der Atomenergie oder Fragen zum damals tobenden Vietnamkrieg ging, diskutierte ich gerne mit. Man wollte uns Jugendliche mit Gegenwartsthemen erreichen. Heute finden sich solche Themen im Ethikunterricht wieder. Niemand wollte damals lange Erklärungen und Abhandlungen über die Bibel hören. Manchen wäre aber auch das egal gewesen, glaube ich.

Trotz aller Bemühungen des Pfarrers, blieb jedoch eine klare Distanz zum Glauben. Dies war eben ein allgemeines Phänomen, denn sonst hätte der Pfarrer nicht jedes einzelne Mitglied der Runde in der letzten Stunde vor der Konfirmation gefragt, ob er oder sie an Gott glaube. Je nach Nervenkostüm kamen dann mehr oder weniger halbherzige Glaubensbekundungen von den Anwesenden.

Ich selbst konnte mich auch nicht zu einem deutlichen Nein durchringen, sondern sagte: „Ich weiß nicht!“ Im Nachhinein bin ich immer noch mit der Antwort zufrieden, denn sie hat bis heute bestand und ist glaubwürdig geblieben.

Kurz nachdem ich den Religionsunterricht verlassen hatte, gab es aber noch eine bemerkenswerte Begebenheit. Durch Mitschüler hatte ich erfahren, dass es einen älteren Religionslehrer an der Schule gab, der im Unterricht alles ganz anders machen solle und  zum Beispiel Probleme des Alltags thematisieren und die Sorgen der Jugendlichen mit einbeziehen würde. Ich fand das interessant und hätte gerne freiwillig am Unterricht teilgenehmen, jedoch kam es nicht mehr dazu, denn der Mann hatte sich just zu diesem Zeitpunkt das Leben genommen. Die Gründe hatten wir nicht in Erfahrung bringen können. Ich war natürlich über den Tod  des Lehrers betroffen, es blieb jedoch auch ein irritierendes Gefühl, da für mich ein Selbstmord nicht zum Bild eines sehr religiösen Menschen passte, denn immerhin hatte er seine religiösen Überzeugungen zum Beruf gemacht.

Was bedeutete in diesem Zusammenhang nun der Glaube an einen Gott für einen Menschen? Hatte seine Glaubensstärke nicht ausgereicht, um diese Krise bestehen zu können? Vielleicht war er gescheitert, weil Menschen eben scheitern können, trotz eines religiösen Glaubens.

Meine Zweifel, auch über dieses Erlebnis hinaus, konnten nicht ausgeräumt oder zerstreut werden.

In dieser Zeit, so ab ca. 15 Jahren, führten wir im Freundeskreis  lange Diskussionen über alle Themen, die damals so in der Luft lagen. Und die „Lufthoheit“ besaß die Studentenbewegung.  Niemand hatte direkten Kontakt zu Studenten, in der Studienphase waren wir ja auch noch nicht, jedoch beeinflussten die Berichte und Diskussionen im Fernseher unsere Köpfe. Alle Lebensbereiche waren politisiert und wurden in Frage gestellt: Erziehung, Geschlechterrollen, die Bedeutung von Autorität in Gesellschaft, Staat und Kirche und den damit verbundenen Glaubensfragen. Bei den vielen Gesprächen in Kneipen und in den mehr und mehr besuchten Pizzerien ging es auch manchmal darum, wie es sein kann, dass Menschen ihr Leben und ihre Überzeugungen auf etwas aufbauen, was  unter Umständen gar nicht existiert und durch nichts beweisbar ist. Ein Standardsatz war: „Wenn ich behaupten würde, dort drüben in der Ecke steht eine Vase, dann würdest du mir das doch sicher nicht abnehmen! Warum sollte ich dann glauben, es gäbe ein so komplexes Wesen, das nie sichtbar ist, aber dazu in der Lage, alles zu bestimmen – bis hinein in mein Fühlen und Denken, ja sogar in die intimsten Bereiche?“ (Das ist jetzt natürlich etwas ausformuliert.) 

Die Diskussionen darüber dauerten lange. Wir ereiferten uns, ein Argument gab das andere, jedoch ohne den Respekt vor der Meinung des Anderen zu verlieren oder auch nur in Frage zu stellen. Ich erinnere mich gerne an solche intensiven Abende. Das Vergnügen lag im Austausch, nicht darin, den Anderen von seiner Meinung zu überzeugen (…obwohl das natürlich schön gewesen wäre!).

Mit 19 trat ich aus der evangelischen Kirche aus. Der Grund lag nicht in einer Unzufriedenheit mit dem, was die Institution Kirche im Konkreten tat, wie sie sich engagierte, da war ich mit Vielem einverstanden, es war eben der grundsätzliche Zweifel am Glaubensfundament.

Das Thema trat von nun an in den Hintergrund. Ich engagierte mich nicht in politischen oder ähnlichen Gruppierungen, um meiner inneren, gottglaubensfreien Überzeugung Ausdruck zu verleihen.

Ich besuchte trotz alledem weiterhin Kirchen in den Regionen, die ich bereiste.  Egal, wie groß sie auch waren. Falls jemand das als einen Widerspruch empfinden sollte, eine Erklärung: Es ist ein äußerst weltlicher Respekt vor den geschaffenen kulturellen Werten … der Architektur, der Kunstfertigkeit in der Holz- und Steinbearbeitung, der Malerei und nicht zuletzt der Musik.

Alleine die Größe vieler Kirchen lässt in den Innenräumen wunderbare Effekte entstehen. So z.B., wenn das einfallende Tageslicht durch die farbigen Mosaike der Fenster den Stein oder den Marmor in einen anderen farblichen Zustand versetzten. Das ist einfach großartig und berührt. Mit der Musik, ist es natürlich genauso!

Dies alles sind Wirkungen, die über den gläubigen Menschen hinaus jeden beeindrucken, der solche Gebäude betritt und dies auch wahrnimmt.

Ich empfinde dabei Ehrfurcht. Aber nicht vor einem göttlichen Wesen oder dessen möglicher Inspiration, sondern vor den Räumen und  vor der Wirkung an sich.  Es kann vereinnahmen und ich lasse mich gerne davon vereinnahmen. Es ist ein Zeugnis dafür, wozu Menschen im Stande sind, wenn sie an etwas glauben, ohne eben irgendeine Gewissheit zu haben. Vermutlich spielte dabei die Hoffnung auf ein ewiges Leben auch eine Rolle. Ein Placebo kann ja sehr weitreichende Folgen verursachen! Es bleibt trotzdem beeindruckend. Dies gilt aber eben auch in jeglicher negativer Hinsicht!

…Trotz der vielen Bedenken und Zweifel ging meine Überzeugung lange nicht so weit, dass ich mich als einen Atheisten bezeichnet hätte.  Der von mir übernommene Satz, dass es weder möglich ist, die Existenz Gottes zu beweisen, noch seine Nichtexistenz, führt zum Agnostizismus.  Dazu gehört ebenso, dass die Menschen in ihrer Erkenntnisfähigkeit begrenzt sind und es auch bleiben werden.

Es murrte trotzdem in mir. Wenn ich Menschen über Religion oder Gott reden hörte, musste ich immer wieder mit dem Kopf schütteln wegen der anmaßenden Zuschreibungen. Menschen reden zu Menschen und behaupten Dinge über ein unsichtbares Wesen, was bis hin zur Selbstermächtigung über andere reicht.

Da war und ist es geradezu harmlos, was es im Fernsehen z. B. im klassischen „Wort zum Sonntag“ an Ansprache gibt.

Im Radio hielt sich lange Jahre als Pendent das „Wort zum Tag“. Die Sendungen sind bis heute sehr ähnlich aufgebaut: Begonnen wird mit einem Thema aus dem Alltag. Scheinbar ohne religiösen Bezug. Irgendwann aber innerhalb der 4-5 Minuten wandelt sich der Inhalt und schlägt den Bogen, den sog. „heiligen Bogen“, wie ihn ein Kirchenredakteur einmal nannte, und das Thema erreicht religiösen Boden durch Erläuterungen  aus der Bibel. Die Bibelstellen werden als Beleg mitgeliefert. Sie sollen unterstreichen, dass die alten Texte den heutigen Menschen immer noch etwas zu sagen haben und ein Blick in die Bibel Lösungen anbieten kann.

Auch bei wohlwollender Betrachtung der gut gemeinten Alltagstipps blieb das Gefühl, dass hier etwas mit einem Wesen begründet wird, das u. U. nicht existiert, zumal einem sehr unterschiedliche Lösungen angeboten werden, je nachdem, wer sich äußert! Am Ende interpretiert jeder, was für richtig gehalten wird. Im Prinzip kann das auch in Ordnung sein, wenn damit verantwortlich umgegangen wird.

Soweit, so gut. Solchen Gedanken kann man anhängen. Es gibt eben auch viele, die das tun.

Aber könnte man diese Ansichten auch mit einem überzeugenden Gegenentwurf widerlegen - oder sie zumindest als höchst unwahrscheinlich erscheinen lassen? So z. B., dass es göttliche Eingebung war, die die Inhalte der Bibel hervorgebracht haben soll, oder auch, dass Jesus jemals Naturgesetze außer Kraft setzen konnte, oder sein Leben tatsächlich so verlief. Als Kult- und Kunstfigur ist er durchaus hilfreich, aber es bestehen anerkanntermaßen keine authentischen Aufzeichnungen aus seiner Lebenszeit, so dass selbst christliche Forscher wie Albert Schweitzer in ihrer Suche nach dem wahren Jesus  nicht nachweisen konnten, wer er eigentlich wirklich war!

Ab 2010 fing ich an, meine Gedanken zu einzelnen Fassetten dieses großen Themas aufzuschreiben.

Stück für Stück. Mit meinem Blick. Ohne Eile.

 

 

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